Vorne auf der Dose steht „Mit saftigem Rind“. Hinten steht „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Wie viel Rind ist denn jetzt drin?
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wischenBei vielen Dosen lässt sich das schlicht nicht beantworten. Und genau das ist schon die erste Auskunft.
Wenn du weißt, wo du hinschauen musst, brauchst du keinen Testbericht mehr. Du siehst es selbst, im Laden genauso wie an deinem Vorratsschrank.
Was auf dem Etikett stehen muss
In der EU regelt die Verordnung 767/2009, was auf ein Futtermitteletikett gehört. Pflicht sind unter anderem die Zutaten, die analytischen Bestandteile, die Zusatzstoffe, ein Fütterungshinweis und die Angabe, ob es sich um ein Alleinfutter oder ein Ergänzungsfutter handelt.
Spannend wird es bei den Zutaten. Da darf der Hersteller nämlich wählen, wie genau er es dir sagt. Diese Wahl verrät oft mehr als jede Werbung.
Stelle 1: die Zutatenliste
Geschlossene Deklaration. Hier stehen Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“, „Getreide“ oder „Öle und Fette“. Das ist erlaubt. Von welchem Tier das Fleisch stammt und wie viel davon drin ist, bleibt dabei offen. Dazu kommt, dass der Hersteller innerhalb dieser Gruppen wechseln darf. Die Dose aus dem Januar kann also anders zusammengesetzt sein als die aus dem Juni.
Offene Deklaration. Hier steht jede Zutat mit Namen und Prozentzahl. So sieht das zum Beispiel auf einer Dose ANIfit Schäfers Pfanne aus:
| Zutat | Anteil |
|---|---|
| Lamm | 24 % |
| Huhn Muskelfleisch | 23 % |
| Rindermuskelfleisch | 22 % |
| Rinderlunge | 16 % |
| Lachs | 5 % |
| Rinderleber | 3 % |
| Reis | 4 % |
| Getrocknete Karotten | 2 % |
| Salz, Kalzium, getrocknete Tomate | 1 % |
Auf derselben Dose steht zusätzlich die vorgeschriebene Sammelangabe: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Fisch- und Fischnebenerzeugnisse, Reis, Gemüse, Mineralstoffe“. Leg die beiden Angaben mal nebeneinander. Da liegen Welten dazwischen!
Ehrlicherweise gehört eins dazu: Eine offene Deklaration allein beweist noch keine Qualität. Sie ist aber die Voraussetzung dafür, dass du dir überhaupt ein Urteil bilden kannst. Wer seine Zahlen versteckt, hat dafür meistens einen Grund.
Die Falle mit den 4 % beim Sortennamen
„Mit Huhn“ klingt nach einem Huhngericht. Laut den EU-Leitlinien zur Kennzeichnung reichen dafür aber schon 4 % Huhn. Der Rest der Dose kann ganz anders aussehen.
Merk dir deshalb: Der Name vorne ist Werbung. Die Zahl hinten ist die Auskunft.
Wird eine Zutat im Namen hervorgehoben, muss ihr Anteil auch angegeben sein. Genau diese Zahl suchst du.
Tierische Nebenerzeugnisse sind besser als ihr Ruf
Das Wort klingt erstmal wenig appetitlich. Dahinter stecken aber oft Innereien wie Leber, Herz, Pansen, Lunge oder Milz. Für einen Hund gehören genau diese Teile zur natürlichen Beute. Leber zum Beispiel ist eine der besten natürlichen Quellen für Vitamin A.
Schwierig ist der Sammelbegriff. Darunter fallen nämlich auch Federn oder Schlachtabfälle mit wenig Nährwert. Steht nur das Sammelwort da, weißt du nicht, was in deiner Dose gelandet ist. Steht dagegen „Rinderlunge 16 %, Rinderleber 3 %“ da, kannst du es einordnen.
Wie das an einer echten Dose aussieht, zeigt der Ratgeber ANIfit Inhaltsstoffe am Beispiel der ANIfit-Volldeklaration.
Stelle 2: die analytischen Bestandteile
Hier findest du Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit. Das „Roh“ bedeutet nur, dass der Wert im Labor mit einem Standardverfahren gemessen wurde. Über die Qualität des Eiweißes sagt er nichts aus, nur über die Menge.
Zwei Begriffe sorgen immer wieder für Stirnrunzeln.
Rohasche ist keine Asche im Futter (auch wenn das Wort genau danach klingt). Gemeint sind die Mineralstoffe, also das, was im Labor nach dem Verbrennen übrig bleibt. Kalzium und Phosphor stecken zum Beispiel darin. Ein sehr hoher Wert kann auf viel Knochenanteil hindeuten.
Rohfaser sind pflanzliche Ballaststoffe. In einem fleischreichen Futter ist davon wenig drin, und das ist völlig normal.
Du willst lesen können, was in deinem Futter ist?
Der kostenlose Etiketten-Guide für Hund und Katze zeigt dir, wie du eine Deklaration liest. Du bekommst ihn direkt per Mail.
Stelle 3: das Wasser (hier kippen die meisten Vergleiche)
Nassfutter besteht zu etwa 75 bis 82 % aus Wasser. Herkömmliches Trockenfutter hat nur rund 8 bis 10 %. Legst du die Proteinwerte direkt nebeneinander, vergleichst du vor allem, wie viel Wasser in der Packung ist.
Ein Beispiel mit echten Werten. Auf der Dose von oben stehen 10 % Protein bei 78 % Feuchtigkeit. Neben einem Trockenfutter mit 26 % Protein wirkt das ziemlich mickrig.
So rechnest du fair um:
Protein geteilt durch (100 minus Feuchtigkeit), mal 100
Für das Nassfutter heißt das: 10 geteilt durch 22, mal 100. Das ergibt rund 45 % Protein in der Trockenmasse (der Hersteller gibt gerundet 44 % an).
Für das Trockenfutter mit 26 % Protein und 9 % Feuchtigkeit rechnest du 26 geteilt durch 91, mal 100. Das sind rund 29 %.
Aus 10 zu 26 wird 45 zu 29.
Probier die Rechnung einmal mit deinem aktuellen Futter aus. Sie dauert eine halbe Minute, und die Überraschung ist oft groß. Welche Punkte beim Vergleich noch zählen, liest du im Ratgeber Hundefutter vergleichen.
Du willst die Rechnung mit deinem eigenen Futter machen?
Im Etiketten-Guide für Hund und Katze steht sie Schritt für Schritt zum Ausfüllen, dazu alles andere, was auf der Rückseite einer Futterdose steht. 14 Seiten als PDF, kostenlos per Mail.
Alleinfutter oder Ergänzungsfutter: die wichtigste kleine Zeile
Diese Angabe steht meistens winzig irgendwo am Rand. Dabei ist sie die wichtigste auf der ganzen Packung.
Alleinfuttermittel deckt den kompletten Bedarf deines Hundes. Das kannst du dauerhaft allein füttern.
Ergänzungsfuttermittel deckt ihn eben nicht. Reine Fleischdosen ohne Zusätze gehören oft dazu, genauso wie viele Flocken und Toppings. Wer so ein Futter über Monate als einzige Mahlzeit gibt, riskiert eine Unterversorgung, vor allem beim Kalzium.
Schau also auf diese Zeile, bevor eine Sorte zur Hauptmahlzeit wird.
Was sonst noch auf dem Etikett steht
Zusatzstoffe. Hier landen gern zwei Dinge in einem Topf. Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe wie Zink, Kupfer, Jod oder Vitamin D sind sinnvoll und in einem Alleinfutter meistens sogar nötig. Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Lockstoffe und Aromen sorgen dagegen für Haltbarkeit und Optik. Deinem Hund bringen sie nichts.
Die Reihenfolge. Die Zutaten stehen absteigend nach Gewicht. Steht Getreide ganz vorne, ist Getreide der Hauptbestandteil. Ob das ein Problem ist, hängt vom einzelnen Hund ab. Mehr dazu liest du im Ratgeber getreidefreies Hundefutter.
Der Getreide-Trick. Taucht dieselbe Getreideart in mehreren Formen auf (zum Beispiel als Weizenmehl und Weizenkleie), rutscht jede einzelne in der Liste nach hinten. Zusammengerechnet kann das trotzdem eine ganze Menge sein. Also die Posten ruhig mal addieren!
Chargennummer und Mindesthaltbarkeit
Meist klein am Rand der Verpackung steht eine Chargennummer, direkt neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Sie wirkt wie reine Formalie, macht das Futter im Fall eines Rückrufs aber eindeutig zuordenbar. Notiere sie dir bei einem neuen Futter kurz, dann bist du im Ernstfall schnell auskunftsfähig. Das Mindesthaltbarkeitsdatum gilt für die ungeöffnete Packung. Einmal geöffnet, gehört Nassfutter in den Kühlschrank, die Anzahl der Tage bis zum Verbrauch steht auf der Dose selbst.
Die Volldeklaration einer Sorte wie Schäfers Pfanne von oben findest du bei jedem ANIfit-Produkt direkt im Shop, noch bevor du bestellst.
Deine Checkliste für die nächste Packung
- Steht Alleinfutter oder Ergänzungsfutter drauf?
- Sind die Zutaten einzeln mit Prozenten aufgeführt oder nur als Sammelbegriffe?
- Was steht wirklich an erster Stelle?
- Wie hoch ist die Feuchtigkeit, und wie viel Protein bleibt in der Trockenmasse übrig?
- Stehen bei den Zusatzstoffen nur Nährstoffe oder auch Farbe und Aroma?
- Steht beim Sortennamen die passende Prozentzahl dabei?
Die Checkliste zum Ausdrucken
Im Etiketten-Guide steht sie ausführlicher, mit Rechenfeld für die Trockenmasse und einem Kapitel zu umstrittenen Zusatzstoffen. 14 Seiten als PDF, kostenlos per Mail.
Häufige Fragen
Was bedeutet offene Deklaration beim Hundefutter?
Der Hersteller nennt jede Zutat einzeln mit Namen und Prozentzahl. So erkennst du, welches Fleisch in welcher Menge in der Dose steckt.
Warum steht bei Nassfutter so wenig Protein auf dem Etikett?
Weil rund drei Viertel der Dose Wasser sind. Rechne den Wert auf die Trockenmasse um: Protein geteilt durch (100 minus Feuchtigkeit), mal 100. Danach kannst du ihn fair mit Trockenfutter vergleichen.
Sind tierische Nebenerzeugnisse schlecht?
Grundsätzlich nicht. Leber und Herz zum Beispiel sind richtig wertvoll. Unter den Sammelbegriff fallen aber auch nährstoffarme Teile. Was wirklich drin ist, zeigt dir nur eine offene Deklaration.
Wozu dient die Chargennummer auf der Verpackung?
Sie macht das Futter im Fall eines Rückrufs eindeutig zuordenbar. Notiere sie dir bei einem neuen Futter, dann bist du im Ernstfall schnell auskunftsfähig.
Welche Angaben sind auf Tiernahrung Pflicht?
Die Verordnung (EG) Nr. 767/2009 schreibt unter anderem vor: ob es ein Allein- oder Ergänzungsfutter ist und für welche Tierart, die Zusammensetzung, die Zusatzstoffe, die analytischen Bestandteile, Fütterungshinweise, Nettomenge, Mindesthaltbarkeit und Chargennummer. Dazu kommen Name und Anschrift des Herstellers oder Händlers und die Registriernummer des Betriebs.
Fazit
Wenn du dir nur zwei Dinge merkst, dann diese: Ein Futter ohne Prozentangaben kannst du kaum beurteilen. Und Protein vergleichst du immer ohne das Wasser.
Alles andere ergibt sich beim zweiten Blick fast von selbst. Welche Kriterien darüber hinaus zählen, liest du im Ratgeber gutes Hundefutter erkennen.
Worauf du bei Katzenfutter zusätzlich achtest, steht im Ratgeber Gutes Katzenfutter erkennen.
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Quellen: Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln; EU-Leitlinien für die Kennzeichnung von Heimtierfuttermitteln (2018/C 133/02); FEDIAF, Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food; Deklarationsangaben Schäfers Pfanne, ANIfit/Provital GmbH, abgerufen September 2026.


