„Getreidefrei“ steht heute auf vielen Verpackungen und klingt erst einmal nach Qualität. Doch was bedeutet das eigentlich, und braucht dein Hund das überhaupt? Dieser Ratgeber sortiert die Begriffe, erklärt, wann eine getreide- oder glutenfreie Ernährung wirklich wichtig ist, und worauf es darüber hinaus ankommt.
Getreidefrei und glutenfrei sind nicht dasselbe
Die beiden Begriffe werden oft in einen Topf geworfen, meinen aber Verschiedenes.
Gluten ist ein Bestandteil bestimmter Getreidesorten. Es bildet bei Zugabe von Wasser das sogenannte Klebereiweiß, das zum Beispiel für das Teiggerüst in Brot sorgt. Gluten steckt unter anderem in Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn und Kamut.
Glutenfrei sind dagegen viele andere Lebensmittel, darunter Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Reis, Hirse, Mais, Buchweizen und Hülsenfrüchte. Ein Futter kann also Getreide wie Reis enthalten und trotzdem glutenfrei sein. Als glutenfrei gelten Lebensmittel mit weniger als 20 ppm Gluten, das entspricht 20 Milligramm pro Kilogramm.
Wann eine glutenfreie Ernährung wirklich wichtig ist
Bei einer normalen, gesunden Verdauung ist Gluten für den Hund ungefährlich. Problematisch wird es nur bei Tieren, die eine Glutenunverträglichkeit, fachlich Zöliakie genannt, oder eine Weizenallergie entwickelt haben. Dabei wird die Dünndarmschleimhaut geschädigt, sodass eine normale Verdauung nicht mehr möglich ist. Typische Anzeichen sind Blähungen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und chronischer Durchfall.
Für solche Tiere ist eine glutenfreie oder zumindest weizenfreie Ernährung medizinisch notwendig. Wenn du diese Symptome bei deinem Hund bemerkst, lass die Ursache bitte tierärztlich abklären, bevor du auf eigene Faust umstellst.
Warum eine Frischfleischnahrung das Thema entschärft
Hunde und Katzen sind von Natur aus auf tierisches Eiweiß ausgelegt. Eine Nahrung mit sehr hohem Fleischanteil enthält dadurch von sich aus kaum oder kein Gluten, denn Fleisch ist glutenfrei. Bei einer hochwertigen Frischfleischnahrung, bei der ein Großteil der Bestandteile aus Fleisch besteht, ergibt sich Glutenfreiheit fast von allein, sofern auch die übrigen Zutaten sorgfältig ausgewählt sind.
Ein angenehmer Nebeneffekt: Tiere, die von Anfang an artgerecht und fleischbasiert ernährt werden, entwickeln in der Regel seltener eine Glutenunverträglichkeit. Eine fleischreiche Fütterung ist also auch vorbeugend interessant, nicht nur für bereits betroffene Tiere.
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Getreidefrei ist kein Qualitätssiegel
Hier lohnt der ehrliche Blick: „Getreidefrei“ allein sagt noch nichts über die Qualität eines Futters aus. Auch ein getreidefreies Futter kann viele Füllstoffe, einen niedrigen Fleischanteil oder unnötige Zusätze enthalten. Entscheidend ist nicht das Schlagwort auf der Vorderseite, sondern das, was hinten in der Zusammensetzung steht.
Achte deshalb auf diese Punkte:
- Fleischanteil: Wie hoch ist er, und stammt das Eiweiß aus klar benannten tierischen Quellen?
- Offene Deklaration: Steht jede Zutat mit ihrem Anteil auf der Packung, oder verstecken sich Bestandteile hinter Sammelbegriffen?
- Zusatzstoffe: Sind Zucker oder Lockstoffe enthalten, die dem Tier keinen Nährwert bringen?
Ein Trick, den du kennen solltest: Steht dieselbe Getreideart in mehreren Formen auf der Liste, rutscht jede einzelne nach unten, obwohl die Summe hoch ist. Mehr dazu unter Hundefutter-Etikett lesen.
Wie du Qualität wirklich erkennst, liest du im Ratgeber Gutes Hundefutter erkennen.
Häufige Fragen
Ist getreidefreies Futter automatisch gesünder?
Nein. Getreidefrei beschreibt nur, was nicht drin ist. Ob ein Futter gut ist, zeigen Fleischanteil, offene Deklaration und der Verzicht auf unnötige Zusätze.
Mein Hund verträgt sein Futter nicht, liegt das am Getreide?
Möglich, aber nicht sicher. Unverträglichkeiten können auch andere Ursachen haben. Lass es tierärztlich abklären und stelle danach sanft auf ein gut verträgliches Futter um. Hilfreich ist dabei der Ratgeber zur Futterumstellung.
Brauchen Katzen getreidefreies Futter?
Katzen sind strikte Fleischfresser und brauchen vor allem viel hochwertiges tierisches Eiweiß. Ein fleischreiches Futter ist für sie ohnehin der richtige Weg und enthält dann kaum Getreide.
Fazit
Getreidefrei und glutenfrei werden gern verwechselt. Wirklich wichtig ist eine glutenfreie Ernährung nur bei Tieren mit nachgewiesener Unverträglichkeit oder Weizenallergie. Für alle anderen zählt nicht das Schlagwort, sondern die Qualität dahinter: ein hoher Fleischanteil, eine offene Deklaration und der Verzicht auf überflüssige Zusätze. Eine fleischreiche Frischfleischnahrung erfüllt diese Punkte und ist nebenbei fast von selbst glutenarm.
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Quellen: Codex Alimentarius, Standard für glutenfreie Lebensmittel (Grenzwert 20 ppm); Tipp Glutenfrei, Provital GmbH; FEDIAF, Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food (fediaf.org).